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Türkei: Geschichte
Zur Geschichte des Gebiets der heutigen Türkei vor der Herrschaft der Osmanen
In Anatolien
entwickelten die aus dem Hochland des Landesinneren stammenden Hethiter (um
1900-1200 v. Chr.) die erste Hochkultur des Landes. Sie wurde von den Seevölkern
zerstört, die gegen Ende des 12. Jahrhunderts v. Chr. in Kleinasien
und Syrien einfielen. Die Zerstörung der westanatolischen Stadt Troja, ein in
den Sagen des antiken Griechenland besungenes Ereignis, fand wahrscheinlich während
dieser Überfälle statt. Die Phryger, eine
Gruppe von Seevölkern, errichteten ein Königreich, das im 9. und 8. Jahrhundert
v. Chr. in Anatolien zu einer Vormachtstellung gelangte. Während dieser
Zeit gründeten die Griechen Milet, Ephesos, Priene und eine Reihe weiterer Städte
in Ionien, einer Gegend an der ägäischen Küste. Um 700 v. Chr. fielen
die Kimmerier – ein Nomadenvolk, das sich später im Westen Kleinasiens
niederließ – in das phrygische Reich ein und zerstörten es. Im 7. Jahrhundert
v. Chr. tauchten die Lyder an der ägäischen Küste auf, wo sie ein Reich
mit der Hauptstadt Sardes (Sardis) gründeten. Dieses Reich wurde 546 v. Chr.
von den Persern unter Kyros (Cyrus) dem Großen zerstört. Von der Mitte des 6. Jahrhunderts
bis zum Jahr 333 v. Chr. gehörte der Großteil Kleinasiens, einschließlich
Anatoliens, zum Perserreich; die griechischen Städte erfreuten sich häufig
eines hohen Grades an Autonomie. Im 4. Jahrhundert v. Chr. setzte der
Verfall des Reiches ein, und 333 v. Chr. wurde es vom Makedonischen Reich
Alexanders des Großen abgelöst. Im 2. und 1. Jahrhundert v. Chr.
wurde Kleinasien allmählich von den Römern erobert. Nach der Teilung des
Römischen Reiches im 4. Jahrhundert n. Chr. wurde Kleinasien Teil des
Oströmischen Reiches (Byzantinisches Reich), mit der Hauptstadt Konstantinopel
(heute Istanbul) auf der europäischen Seite des Bosporus genau gegenüber der
Westküste Anatoliens. Während des 11. Jahrhunderts fielen die Seldschuken
in Kleinasien ein. 1071 brachten sie der byzantinischen Armee in der Schlacht
bei Manzikert eine vernichtende Niederlage bei. Im 12. Jahrhundert verwüsteten
sie große Teile Ost- und Mittelanatoliens. Obwohl zu dieser Zeit das Hauptziel
der Seldschuken nicht in der Eroberung von Byzanz, sondern in der Abwehr der von
den Fatimiden Ägyptens ausgehenden Gefahr des heterodoxen (von der herrschenden
Lehre abweichend) schiitischen Islam bestand, so drängten doch einige
Mitglieder der Seldschukendynastie den Nomaden nach, um deren Erfolge
auszunutzen. Sie errichteten das Sultanat Rum (Hauptstadt: Konya), das Anatolien
im 12. und 13. Jahrhundert beherrschte. Der Großteil der
Nomaden, die zu den anfänglichen Siegen der Seldschuken beigetragen hatten,
wurde bald in den Westen Anatoliens abgedrängt, wo Grenzkolonien gegen die
letzten byzantinischen Abwehrstellungen aufrechterhalten wurden. Das Sultanat
von Rum suchte das Seldschukenreich von Bagdad nachzuahmen; aber die große
Anzahl von Christen innerhalb der Reichsgrenzen und die Überlagerung einer
lebendigen christlichen Tradition durch den Islam ließen eine Sozialstruktur
entstehen, die sich deutlich von der anderer islamischer Staaten unterschied.
Dieses Sozialgefüge lieferte auch die Basis für die einzigartigen Regierungs-
und Sozialsysteme der Osmanen, die sich ab dem 14. Jahrhundert langsam
herauskristallisierten. Die Seldschuken in
Bagdad und Konya wurden bald von den einfallenden Mongolen unter Dschingis Khan
aufgerieben; die Überfälle kulminierten in der Einnahme und Plünderung
Bagdads 1258. Die turkmenischen Nomadenstämme Anatoliens nutzten die hieraus
entstehenden Wirren zur Bildung einer Reihe von Fürstentümern, die rein
formell unter der Oberhoheit Rums standen, das wiederum von den Mongolen
beherrscht wurde. Diese Fürstentümer erhielten sich durch gegenseitige Überfälle
sowie durch Überfälle auf die letzten byzantinischen Adeligen, die sich im
Westen Anatoliens halten konnten. Die Osmanen traten
in der Geschichte als Führer derjenigen Turkmenen, die die Byzantiner im
Nordwesten Anatoliens besiegten, in Erscheinung. Die günstige geographische
Lage ermöglichte es Osman I. Ghasi, dem Gründer der osmanischen Dynastie,
die Schwäche des Byzantinischen Reiches auszunutzen und reiche Beute bei Überfällen
auf christliches Gebiet zu machen. Osmans Eroberungen in Anatolien erfuhren ihre
Krönung mit der Einnahme der Provinzhauptstadt Bursa (1326) durch seinen Sohn
Orhan. Die Osmanen erlangten damit die Kontrolle über das fortgeschrittene
Verwaltungs-, Finanz- und Militärwesen der Provinz und machten Bursa zu ihrer
Hauptstadt. Durch Kauf und Heirat oder Stiftung von Unfrieden unter den
herrschenden Dynastien gelang ihnen die Expansion des Reiches auf turkmenische
Gebiete im Westen Anatoliens. Überfälle
auf europäische Staaten Die Expansion des
Osmanischen Reiches auf europäischem Boden begann gegen Ende der
Herrschaftszeit Orhans. Führende Byzantiner heuerten osmanische Soldaten als Söldner
an; unter ihnen war auch Johannes VI. Kantakuzenos, der sich so den Thron
des Reiches von Byzanz (1347) sichern konnte. Als Gegenleistung dafür durften
diese osmanischen Söldner byzantinische Besitzungen in Thrakien und Makedonien
plündern, und die Tochter des Kaisers wurde mit Orhan verheiratet. Die Söldner
begannen aber bald, ihr Lager auf der Halbinsel Gallipoli aufzuschlagen und von
dort aus fortgesetzte Überfälle auf die noch verbleibenden byzantinischen
Besitzungen in Europa auszuüben. Die Umwandlung des
osmanischen Fürstentums in ein großes Reich, das Südosteuropa, Anatolien und
die arabische Welt umfasste, fand in drei großen Feldzügen zwischen dem 14.
und 16. Jahrhundert statt. In seinen Anfängen erstreckte sich das von
Murad I. und Bayazit I. (genannt: Yildirim) gegründete Osmanische
Reich von der Donau bis zum Euphrat. Murad konzentrierte seine
Expansionsbestrebungen weitgehend auf Europa, wo er bis zur Donau vordrang.
Seine militärischen Erfolge erreichten ihren Höhepunkt in der Schlacht von
Kosovo (1389), in der die vereinigten Heere der Balkanstaaten Serbien, Bosnien
und Bulgarien geschlagen wurden. Murad selbst fiel in der Schlacht, aber sein
Sohn Bayazit führte die Armee zum Sieg. In den folgenden zehn Jahren brach
Bayazit mit der Tradition, nur europäische christliche Staaten zu unterwerfen,
eroberte den Großteil der turkmenischen Fürstentümer Anatoliens und führte
so das erste Osmanische Reich zu seinem Höhepunkt. Erster
Niedergang und Restauration Diese Eroberungen führten
jedoch zur Schwächung der Grundpfeiler des osmanischen Staates. Muslime und
angesehene türkische Bürger, die die Osmanen bei ihren siegreichen Feldzügen
in Europa unterstützt hatten, widersetzten sich der Unterwerfung von Türken
und Muslimen. Sie verweigerten ihre Teilnahme am Anatolienfeldzug, der daraufhin
weitgehend von in Bayazits Diensten stehenden Christen durchgeführt wurde.
Gleichzeitig stellte der Aufstieg der Osmanen zur führenden Macht in Anatolien
eine Bedrohung für das Interessengebiet Tamerlans (Timur-i Läng), des
mongolischen Eroberers, dar, der kurze Zeit vorher große Teile des heutigen
Iran sowie Zentralasiens erobert hatte. Tamerlan fiel 1402 in Anatolien ein und
schlug Bayazit. Bayazits Enkel,
Murad II., schlug die verschiedenen christlichen Fürsten von Serbien und
Bulgarien, setzte osmanische Verwaltungsbeamte ein und stellte die osmanische
Vorherrschaft in Europa bis zur Donau wieder her. Sein Sohn Mohammed II.
setzte diese Politik fort und besiegte die letzten noch freien christlichen Fürstentümer
südlich der Donau. Seine Eroberungen erreichten ihren Höhepunkt in der
Einnahme von Konstantinopel (1453) sowie in der Unterwerfung Anatoliens bis hin
zum Euphrat. Bayazit II. beendete die Eroberungspolitik zugunsten einer
Festigung der Teile des Reiches, die von seinen Vorgängern besetzt worden
waren. Selim I. benutzte dagegen die ihm überlassenen territorialen und
verwaltungsmäßigen Machtgrundlagen, um das Mameluckenreich zu schlagen und zu
zerstören (1517); außerdem eroberte er Syrien, Palästina und Arabien in einem
einzigen Feldzug und gliederte so das Kernland der alten islamischen Kalifate
dem Osmanischen Reich an. Süleiman II., der Prächtige, führte die
Ausdehnung des Osmanenreiches fort, überschritt die Donau, eroberte Ungarn und
belagerte Wien (1529). Im Osten eroberte er den Rest Anatoliens sowie das alte
Zentrum der Abbasiden und Seldschuken im Irak. Niedergang
des Osmanischen Reiches Der Niedergang des
Osmanischen Reiches setzte gegen Ende der Regierungszeit von Süleiman II.
ein und dauerte bis zum Ende des 1. Weltkrieges an. Ende des 17. Jahrhunderts,
angefangen mit dem unfreiwilligen Rückzug während der zweiten Belagerung Wiens
(1683), erlitt das Osmanische Reich eine Reihe militärischer Niederlagen.
Zuerst wurde es von Österreich und daraufhin von Russland in den Russisch-Türkischen
Kriegen besiegt. Bis zum Frieden von Jassy (1792) hatten die Osmanen ihre
Gebiete nördlich der Donau verloren und sich von der Krim und den Gebieten östlich
vom Dnjestr bis Russland zurückgezogen. In den anderen europäischen Gebieten,
in Asien und Afrika waren Herrscher an der Macht, auf die die Zentralregierung
nur wenig Einfluss hatte. Die Zentralisierung
war ein Leitgedanke der Tanzimat (Name
der Reformbewegung zwischen 1839 und 1878). Daneben gab es noch einen zweiten,
entgegengesetzten Leitgedanken: die Liberalisierung (mehr Rechte und Freiheiten
für den Einzelnen; Gleichstellung von Muslimen und Nichtmuslimen). In gewissem
Maß wurde den Osmanen dieser zweite Leitgedanke durch die europäischen Großmächte
im Interesse der osmanischen Christen (orientalische Frage) aufgezwungen. Die Spannungen, die
durch die Reformen der Tanzimat
entstanden, lösten Kritik seitens der Konservativen aus, aber auch seitens
derer, die meinten, dass die Reformen nicht ausreichten. In den sechziger Jahren
des 19. Jahrhunderts forderte eine Gruppe junger Männer zahlreiche
Reformen, einschließlich einer Verfassung. 1876 trat eine Verfassung in Kraft;
sie wurde jedoch bereits 1878 zeitweilig aufgehoben. Es kam zu politischen
Reformbewegungen (Jungtürken). Diese
erreichten 1908 ihren Höhepunkt mit der Absetzung des autokratischen Regimes
von Sultan Abd ül-Hamid II. Eine neue Verfassung trat in Kraft. Die
Verschwörer schlossen sich 1913 einer Widerstandsbewegung an, die die
Herrschaft über das Reich an sich riss und damit begann, neue, radikalere
Reformen einzuführen. Folgende Provinzen
wurden autonom: Griechenland (1829), Serbien (1830) und die Fürstentümer
Moldau und Walachei (heutiges Rumänien), die 1859 vereint wurden. Griechenland
erlangte 1832 seine Unabhängigkeit. Serbien, Rumänien, Montenegro und auch ein
Teil von Bulgarien wurden 1878 selbständig. Bis 1885 wurden die osmanischen
Besitzungen in Europa auf Makedonien, Albanien und Thrakien reduziert. Im Zuge
der Balkankriege (1912-1913) verlor das Osmanische Reich außer Ostthrakien alle
europäischen Gebiete. Die Osmanen mussten auch auf die Herrschaft über
Nordafrika verzichten. Algerien wurde 1830 von Frankreich eingenommen und auch
Tunesien ging 1881 verloren. Großbritannien besetzte Ägypten (1882), und
Italien annektierte Libyen (1912). Als Ergebnis des 1. Weltkrieges
zerfiel das Osmanische Reich endgültig: Es stand auf der Seite der Mittelmächte.
Die Niederlage Deutschlands läutete das Ende des Osmanischen Reiches ein.
Zwischen 1917 und 1918 leiteten die Briten erste Offensiven im Irak und in
Syrien ein. Als es 1918 zum Waffenstillstand von Mudros kam, hatten die Osmanen
bereits alle Gebiete mit Ausnahme von Anatolien verloren. Sie waren gezwungen,
den Friedensvertrag von Sèvres (1920) zu unterzeichnen, durch den sie nicht nur
die arabischen Provinzen verloren, sondern auch eine Teilung Anatoliens
hinnehmen mussten. 1919 hatte Mustafa Kemal Atatürk den nationalen Widerstand
organisiert. Diese Bewegung brachte den Griechen, die mit Zustimmung der
Alliierten Westanatolien besetzt hatten, 1922 eine Niederlage bei. Am 1. November
1922 wurde die osmanische Dynastie beendet und das Reich aufgelöst. Ein Jahr später
trat die Republik der Türkei an seine Stelle.
André
Dohe – Marc Hammerschmidt – Pascal Peters – Henrik Wittmann
(1566-1923) Den Höhepunkt seiner Macht erreichte die Türkei unter Suleiman „dem Prächtigen“, der 1526 das ungarische Reich vernichtete und 1529 vor den Toren Wiens stand. 1566 endete die Ära Suleimans und mit ihm die glanzvollste Epoche des Osmanischen Reiches. In der Zeit seiner größten Ausdehnung verliefen die Grenzen des osmanischen Reiches von Batumi im äußersten Osten des schwarzen Meeres bis nach Basra im heutigem Irak. Ägypten befand sich in Osmanischer Hand, ebenso die gesamte Ostküste des Mittelmeers samt Zypern. Griechenland, Kreta, sowie im Norden die Insel Krim und ein Gebiet am Asowschen Meer gehörten zum Reich. Doch der beginnende Zerfall war Ende des 17. Jahrhunderts nicht mehr aufzuhalten- ein langer und schmerzhafter Prozess, der im Nahen Osten bis heute ungelöste Probleme hinterlieb: Nachdem die zweite Belagerung Wiens 1683 gescheitert war, verloren die Osmanen im Großen Türkenkrieg (1683-1699) unter anderem Ungarn, Slowenien, Kroatien und Siebenbürgen an Österreich, einen Großteil des Peloponnes und die Ukraine an Polen. Im 18. Jahrhundert war das osmanische Reich in mehreren Kriegen mit Österreich und Russland verwickelt. Das langsam zerfallende osmanische Reich tätigte einige später Versuche sich durch Reformen neu zu einigen, diese wurden allerdings durch den Krimkrieg unterbrochen, in dem Briten und Franzosen die Türkei gegen Russland unterstützen. 1886 war das Reich bankrott. Nach der Niederlage gegen Russland 1878 mussten die Türken mehrere Balkanregionen aus ihrem Herrschaftsbereich entlassen. Innere Konflikte (Aufstand der „Jungtürken“ 1908) führten zu einer weiteren Schwächung des Reiches. Das Ende des ersten Weltkrieges, in dem die Türken an der Seite Deutschlands und Ö Österreich-Ungarns standen, brachte die Auflösung des Osmanischen Reiches. Die Besetzung großer Teile Thrakiens und Westanatoliens durch die Griechen 1920 stieß auf nationalen Widerstand, der von Mustafa Kemal Pascha ( der später den Beinamen Atatürk, „Vater der Türken“, erhielt) organisiert wurde. Er wurde im gleichen Jahr zum Vorsitzenden Der „Großen Nationalversammelung“ gewählt. Der Griechisch-Türkische Krieg(1920-1922) endete mit der Niederlage der Griechen. Nun galt es, die religiösen Elemente in seiner Regierung zu besänftigen, als er das Sultanat auflöste, sprich Sultan Mehmet VI. absetzte. Dieser symbolisierte die alte Personalunion von weltlicher und religiöser Macht. Am 10. November des Jahres 1922 verließ der Sultan schließlich heimlich den Palast und begab sich auf ein englisches Kriegsschiff. Ein Kalif wurde zum religiösen Oberhaupt ernannt, dessen Macht jedoch durch weltliche Gesetze streng geregelt waren. Im Friedensvertrag von Lausanne 1923 erkannten die Alliierten die Unabhängigkeit und Souveränität der neuen Türkei in ihren Heutigen Grenzen an. Geschichte der Türkei I.
Geschichte bis zum Höhepunkt des osmanischen Reiches Frühgeschichte und Entwicklung bis zum Osmanischen Reich Kleinasien: Wiege der frühen Hochkulturen der Menschheit Besiedelung ab 35.000 v. Chr. (Höhlen von Karain bei
Antalya) Vor 8.000 Jahren: neolithische Hochkultur in der Stadt
Catal Hüyük (bei Konya) Später: Siedlungen der Hethiter, Phrygier und Lyder in
Kleinasien, bevor dieses unter persische , makedonische und schließlich
griechische Hoheit fällt - archäologischer Reichtum der Region: Troja, Pergamon,
Ephesos... - Beginn unserer Zeitrechnung: Kleinasien gehört zum Römischen
Reich Konstantinopel wird 330 n. Chr. Hauptstadt des oströmischen
bzw. Byzantinischen Reichs 380: Thedosius I. erhebt das Christentum zur
Staatsreligion - Byzanz ist Mittelpunkt der Ostkirche Angriffe u. a. der Goten, Germanen, Awaren, Slawen, Perser
und Hunnen (Attila wird 451 auf den Katalaunischen Feldern geschlagen) Mitte des 11. Jahrhunderts:
Seldschuken (islamisierte türkische Dynastie aus dem heutigen
Usbekistan) dringen ein 1071: mit der
Schlacht von Mantzikert besiegen die
Seldschuken auch Byzanz - Eindringen des Islam - Niedergang der Herrschaft des
Byzantinischen Reiches - weitere Bedrohungen durch Kreuzfahrer Hauptstadt des seldschukischen Reichs: Konya 1243 schlagen die Mongolen unter Dschingis Chan die
Seldschuken, Niedergang des Reiches Osmanisches Reich
- Aufstieg und Blüte Die
Türken sehen sich als Nachfahren der Osmanen und setzen ihre Geschichte deshalb
mit deren Geschichte gleich. 1299: Seldschukisches
Reich zerfällt in zehn Fürstentümer, eines davon regiert von Osman I.
(Beinamen Sultan) - Begründer des
nach ihm benannten Osmanischen Reichs und der Osmanen-Dynastie, sieht sich als
gazi (Streiter für den Islam) - Nachfolger erkämpfen in blutigen Fehden gegen
die anderen türkischen Stämme Vorherrschaft Sohn Orhan - erobert das bedeutende Brussa (heute Bursa)
und Adrianopel (Edirne),
zweite Hauptstadt nach Bursa, europäische Seite der Dardanellen! - richtet stehendes Heer ein und gründet die aus
christlichen Knaben rekrutierten Janitscharen - Traditionsbegründung: Stiftung von Moscheen verbunden
mit Koranschulen, Armenküchen, Hospitälern und öffentlichen Bädern zur Erfüllung
der religiös begründeten sozialen Verpflichtung der Herrscher Murat I.: Sieg auf dem Amselfeld über die Serben (1389) rasche Eroberungen auf dem Balkan, in Griechenland und
Anatolien Yildirim Beyazit I.: 1402 Gefangennahme durch die Mongolen
(Timur Lenk) Mehmet I. und Murat II.: Wiederaufbau Mehmet II.: 1453 Einnahme von Konstantinopel und
Beendigung der Byzantinischen Geschichte - neue Hauptstadt mit Topkapi-Serail
als Sitz der Sultane - Einführung des Brudermords der Sultane Eroberung von Serbien, Bosnien Selim I. (1512 - 1520):
Eroberung von Persien und Ägypten, Syrien, Eroberung von Mekka und
Erringung des Kalifats (Kalif - geistliches Oberhaupt aller Moslems und
Nachfolger des Propheten Muhammad), 1517 Krieg mit Venedig: Osmanisches Reich wird
beherrschende Seemacht im östlichen Mittelmeer Süleyman I., der Prächtige (1520 - 66): Glanzzeit des
Osmanischen Reichs 1626 Sieg über Ungarn, Vordringen bis kurz vor Wien,
Eroberung Zyperns und Tunesiens - Blüte von Kultur, Wissenschaft und Architektur Fazit: Das Osmanische Reich ist als feudaler Militärstaat in
vielen Aspekten vergleichbar mit den sich später entwickelnden absolutistischen
Staaten in Europa. Wirtschaftlich wurde es vom Lehnswesen getragen; dem Militär
galt das Hauptaugenmerk des Staates. Die Vergabe von Ländereien war an die
Teilnahme am Kriegsdienst gebunden, diese Pfründe (Timar) waren nicht
vererblich. Insbesondere den Janitscharen kam eine bedeutende Rolle
zu. Der oberste Militärrichter hatte auch die höchste Richteramt inne. Die zweite Säule der osmanischen Herrschaft war der
Islam. Mit dem Kalifat hatten die Sultane auch die religiöse Macht inne. Die
Rechtsprechung bezog sich in erster Linie auf den Islam, konnte aber durch
weltliche Gesetze ergänzt werden. Religiöse Minderheiten wie die jüdische und
christliche hatten eine besondere Stellung: Sie hatten - wie auch andere
Gruppierungen im Staat - den Status einer Millet
inne und konnten über ihre inneren Angelegenheiten relativ selbständig
entscheiden. Ihre Würdenträger hatten eine privilegierte Stellung im
osmanischen Staat. Aufgrund dieser relativen Toleranz ist das osmanische Reich
Zufluchtsort für verfolgte Minderheiten, besonders Juden,
aus Europa. Das osmanische Reich kontrollierte über lange Zeit die
wichtigen Handelsrouten zwischen Asien und Europa sowie das Schwarze Meer und
Teile des Mittelmeeres. Handel und Gewerbe überließen die Osmanen aber europäischen
Händlern und Mitgliedern ethnischer Minderheiten (besonders Griechen, Armeniern
und Juden). Ökonomisch trug sich das Reich in erster Linie durch Kriegsgewinne
und Tributzahlungen aus den unterworfenen Gebieten. © Arndt Henzelmann II.
Niedergang des osmanischen Reiches bis Beginn der Republik Geschichte der Türkei (1566-1923) Den Höhepunkt seiner Macht erreichte die Türkei unter
Suleiman „dem Prächtigen“, der 1526 das ungarische Reich vernichtete und
1529 vor den Toren Wiens stand. 1566 endete die Ära Suleimans und mit ihm die
glanzvollste Epoche des Osmanischen Reiches. In der Zeit seiner größten
Ausdehnung verliefen die Grenzen des osmanischen Reiches von Batumi im äußersten
Osten des schwarzen Meeres bis nach Basra im heutigem Irak. Ägypten befand sich
in Osmanischer Hand, ebenso die gesamte Ostküste des Mittelmeers samt Zypern.
Griechenland, Kreta, sowie im Norden die Insel Krim und ein Gebiet am Asowschen
Meer gehörten zum Reich. Doch der beginnende Zerfall war Ende des 17. Jahrhunderts
nicht mehr aufzuhalten- ein langer und schmerzhafter Prozess, der im Nahen Osten
bis heute ungelöste Probleme hinterlieb:
Nachdem die zweite Belagerung Wiens 1683 gescheitert war,
verloren die Osmanen im Großen Türkenkrieg (1683-1699) unter anderem Ungarn,
Slowenien, Kroatien und Siebenbürgen an Österreich, einen Großteil des
Peloponnes und die Ukraine an Polen. Im 18. Jahrhundert war das osmanische Reich
in mehreren Kriegen mit Österreich und Russland verwickelt. Das langsam zerfallende osmanische Reich tätigte einige
später Versuche sich durch Reformen neu zu einigen, diese wurden allerdings
durch den Krimkrieg unterbrochen, in dem Briten und Franzosen die Türkei gegen
Russland unterstützen. 1886 war das Reich bankrott. Nach der Niederlage gegen Russland 1878 mussten die Türken
mehrere Balkanregionen aus ihrem Herrschaftsbereich entlassen. Innere Konflikte
(Aufstand der „Jungtürken“ 1908) führten zu einer weiteren Schwächung des
Reiches. Das Ende des ersten Weltkrieges, in dem die Türken an der
Seite Deutschlands und Ö Österreich-Ungarns standen, brachte die Auflösung
des Osmanischen Reiches. Die Besetzung großer Teile Thrakiens und Westanatoliens
durch die Griechen 1920 stieß auf nationalen Widerstand, der von Mustafa Kemal
Pascha ( der später den Beinamen Atatürk, „Vater der Türken“, erhielt)
organisiert wurde. Er wurde im gleichen Jahr zum Vorsitzenden Der „Großen Nationalversammelung“ gewählt. Der Griechisch-Türkische Krieg(1920-1922) endete mit der
Niederlage der Griechen. Nun galt es, die religiösen Elemente in seiner Regierung
zu besänftigen, als er das Sultanat auflöste, sprich Sultan Mehmet VI.
absetzte. Dieser symbolisierte die alte Personalunion von weltlicher
und religiöser Macht. Am 10. November des Jahres 1922 verließ der Sultan schließlich
heimlich den Palast und begab sich auf ein englisches Kriegsschiff. Ein Kalif
wurde zum religiösen Oberhaupt ernannt, dessen Macht jedoch durch weltliche
Gesetze streng geregelt waren. Im Friedensvertrag von Lausanne 1923 erkannten die
Alliierten die Unabhängigkeit und Souveränität der neuen Türkei in ihren
Heutigen Grenzen an. ©
Thorsten Driemeier 1918 Niederlage des Osmanischen Reichs im Ersten
Weltkrieg, Waffenstillstand von Mudros, teilweise Besetzung durch die Alliierten
1919 Beginn des nationalen Befreiungskriegs unter Mustafa
Kemal Atatürk 1920 Vertrag von Sèvres (von Atatürk nicht anerkannt) 1922 Abschaffung des Sultanats / Ende des Osmanischen
Reichs. Rückeroberung von Izmir (Smyrna) 1923 Ausrufung der Republik durch Atatürk (29.10.). 1924 Erste Verfassung. Abschaffung des islamischen
Kalifats (03.03.) 1925 Islamisch motivierter Kurdenaufstand unter Scheich
Said (Februar bis Juni). Verbot religiöser Orden und Gemeinschaften.
Abschaffung des Fez. Einführung des westlichen Kalenders. 1926 Modernisierung von Zivil- und Strafrecht nach europäischem
Vorbild. 1928 Einführung des lateinischen Alphabets. 1933 Beginn der Emigration deutscher Hochschullehrer in
die Türkei 1934 Einführung des Frauenwahlrechts 1936 Vertrag von Montreux zur Regelung der Schifffahrt
durch die Meerengen. 1938 Provinz Hatay (Alexandrette) fällt durch
Volksabstimmung an die Türkei. Tod von Mustafa Kemal Atatürk (10.11.) 1945 Türkische Kriegserklärung an Deutschland. 1948 Truman-Doktrin: Verstärkung des amerikanischen
Engagements in der Türkei im Rahmen der "containment"-Poltik der USA 1950 Wahlsieg der Demokratischen Partei (Adnan Menderes),
erstmalige Ablösung von Atatürks Republikanischer Volkspartei. 1952 Beitritt zu NATO und Europarat. Teilnahme am
Korea-Krieg 1959 Verträge von Zürich und London (Türkei wird
zusammen mit Griechenland und Großbritannien Garantiemacht für Zypern) 1960 Erster Staatsstreich des Militärs (27.05.):
Absetzung der Regierung Menderes. Unabhängigkeit Zyperns 1961 Zweite, "liberale" Verfassung 1963 Assoziierung der Türkei an die EWG (Vertrag von
Ankara vom 12.09.1963) 1971 Zweiter Staatsstreich des Militärs (12.03.) 1974 Türkische Militärintervention in Zypern als Folge
des griechisch-inspirierten Staatsstreichs auf der Insel (20.07.) 1980 Dritter Staatsstreich des Militärs ("12.
September"). 1982 Verabschiedung der dritten Verfassung durch
Referendum (07.11.) 1983 In den Parlamentswahlen erhält die Mutterlandspartei
(ANAP) unter Turgut Özal die absolute Mehrheit 1984 Einsetzen terroristischer Aktivitäten der PKK (gegründet
1978) in der Südosttürkei 1987 Referendum über die Wiederzulassung der 1980 gebannten Politiker; Parlamentswahlen: Sieg Özals
(ANAP). 1989 Wahl von Turgut Özal zum Staatspräsidenten. Vorläufige
Abweisung des EG-Beitrittsantrags 1991 Erster Golfkrieg. 1993 Wahl von Süleyman Demirel zum 9. Staatspräsidenten
der Türkei. Wahl von Tansu Ciller/DYP zur Ministerpräsidentin. 1995 Erste "zivile" Verfassungsänderung.
Vorgezogene Parlamentswahlen: islamistische Wohlfahrtspartei (RP) wird stärkste
Partei. 1996 Zollunion mit der EU ab 01.01., Koalitionsregierung
zwischen islamistischer Refah-Partei (RP) und DYP. 1997 Beschlüsse des Nationalen Sicherheitsrats zur Eindämmung
des politischen Islam /"28. Februar-Prozess"): Sturz MP Erbakan
(Juni). Neue Koalitionsregierung (ANAP/DSP/DTP) mit Mesut Yilmaz (ANAP) als MP
(30.06.) 1998 Im November Sturz der Regierung Yilmaz 11.01. 1999
Minderheitsregierung unter Bülent Ecevit (DSP) Anfang 1999 Ergreifung von PKK-Führer Öcalan in Kenia und
Verbringung in die Türkei (seitdem auf der Gefängnisinsel Imrali/Marmarameer) 30.05.1999 57. Regierung unter Bülent Ecevit (DSP) mit
Koalitionspartnern MHP und ANAP 10./11.12. 1999 Türkei wird EU-Beitrittskandidat (ER
Helsinki) 16.05.2000 Ahmet Necdet Sezer wird 10. Staatspräsident
der Türkei 19.02. 2001 Ausbruch einer schweren Regierungs-, Finanz-
und Wirtschaftskrise, "Schwarzer Mittwoch" 19.03.2001 Kabinett verabschiedet das Nationale Programm
als Antwort auf die Beitrittspartnerschaft der EU. 22.06.2001 Verfassungsgericht verbietet die islamistische
Fazilet-Partei. Ihre Abgeordneten gründen am 20.07. die Saadet-Partei unter
Kutan, der Reformflügel am 13.08. die AKP unter Erdogan 04.02.2002 IWF beschließt ein neues (18.)
Beistands-Abkommen mit der Türkei mit konditionierten Neu-Zusagen für Kredite
i.H.v. 12 Mrd. US-Dollar für 2002 - 2004 Juli 2002 Die durch die schwere
Krankheit von MP Ecevit ausgelöste Regierungskrise verschärft sich nach Rücktritt
von AM Ismail Cem, Beschluss über vorgezogene Neuwahlen 03.08.2002 Verabschiedung des 3. Reformpakets im Parlament
zur Angleichung an den EU-Acquis, u.a. Abschaffung der Todesstrafe 03.11.2002 Aus vorgezogenen Neuwahlen geht die
konservativ-islamische AKP mit absoluter Mehrheit der Sitze hervor. Einzige
Oppositionspartei im Parlament ist die sozialdemokratische CHP. 28.11.2002 58. Regierung unter MP Abdullah Gül erhält
das Vertrauen des Parlaments 12.12.2002 ER Kopenhagen bekräftigt die
Beitrittsperspektive der Türkei. Der ER soll im Dezember 2004 über die
"unverzügliche" Aufnahme von Beitrittsverhandlungen entscheiden. 02.01.2003 4. Reformpaket 23.01.2003 5. Reformpaket 01.03.2003 Parlament lehnt eine Regierungsvorlage über
Stationierungs- und Transitrechte für US-Truppen gegen den Irak überraschend
ab. Die Türkei gewährt am 20.03. lediglich Überflugrechte. 09.03.2003 Bei Nachwahlen erringt AKP-Vorsitzender Erdogan
nach vorausgegangenen Verfassungsänderungen ein Abgeordnetenmandat. Am 11.03.
ernennt ihn StP Sezer zum MP. Am 14.03.2003 bildet er die 59. Regierung der Türkischen
Republik. 15.04.2003 Die EU stellt auf dem Assoziationsrat mit der Türkei
die neue Beitrittspartnerschaft vor. 19.06.2003 6. Reformpaket 30.07.2003 7. Reformpaket (u.a. Eindämmung der
politischen Rolle des Militärs) 02./03.09.2003 Offizieller Besuch MP Erdogan in
Berlin 15.11.2003 Selbstmordanschlag islamistischer Extremisten
auf zwei Synagogen in Istanbul. Am 20.11. erneut zwei Anschläge gegen britische
Einrichtungen, insgesamt 72 Todesopfer. 14.12.2003 Bei Wahlen auf Nord-Zypern gewinnen die lösungsorientierten
Kräfte. Ankara bekräftigt Verhandlungsbereitschaft. VN-GS Annan schaltet sich
erstmals nach Scheitern der Verhandlungen in Den Haag im März 2003 wieder ein. 06.01.2004 "Historischer" Staatsbesuch des
Syrischen Präsidenten Assad in der Türkei 22.-24.02.2004 Offizieller Besuch von Bundeskanzler Schröder
in der Türkei 24.04.2004 Zypern-Referendum über den "Annan-Plan": im
türkisch-zyprischen Nordteil Zustimmung, wird aber vom griechisch-zyprischen Süden
abgelehnt. Zypern tritt am 01.05.2004 als de facto geteilte Insel der EU bei. 07.05.2004 Verfassungsänderungen zur EU-Anpassung
verabschiedet (u.a. Abschaffung der Staatssicherheitsgerichte) 26.09.2004 Türkisches Parlament verabschiedet umfassende
Strafrechtsreform 03.10.2004 Ministerpräsident Erdogan nimmt in Berlin den
"Quadriga"-Preis entgegen © Georg Dickmann |